Die vergrabene Videospielwelt von Ataris E.T.

In der weltweiten Gamer-Szene gibt es ein Videospiel, dem seit Jahrzehnten ein Ruf nacheilt: The worst video game ever. Die Rede ist von dem Adventurespiel „E.T. the Extraterrestrial“, das 1982 als Spiel zum bekannten und gleichnamigen Steven Spielberg-Kinofilm für die – in der Videospielindustrie revolutionäre –  Atari-Heimkonsole VC 2600 entwickelt und veröffentlicht wurde.

ET

Kurz zusammengefasst, steuert der Spieler E.T., der zu Spielbeginn von einem Raumschiff abgesetzt wird. Um „nach Hause telefonieren“ zu können (d.h. um wieder abgeholt zu werden), muss E.T. mehrere Teile eines Telefons finden, die sich – vom Zufall gesteuert – an unterschiedlichen Orten der Spielewelt befinden. Dabei gilt es auch Erdlöcher zu inspizieren, in die E.T. hinabsteigen bzw. hineinfallen kann. Während E.T.s Suche nach den Telefonteilen jagen ihn ein Wissenschaftler (der ihn fängt und zur Untersuchung in sein Labor trägt) sowie ein FBI-Agent (der seine bisher mühsam gefundenen Telefonteile konfisziert).

Erscheint das Spiel auf den ersten Eindruck ‚machbar‘, so steht es doch für einige grundlegenden Dinge in der Kritik: Die komplizierte Steuerung wird häufig moniert, die sich v.a. dann äußert, wenn E.T. die Erdlöcher wieder verlässt. Es genügt eine minimale Bewegung und E.T. fällt wieder ins Loch (und wieder ins Loch und wieder ins Loch…). Zudem gilt das Spiel als „gemein“, da der Wissenschaftler und FBI-Agent so schnelle und aktive Gegenspieler sind, dass E.T.s Mission – um Spielbergs Regisseurkollegen Peterson aufzugreifen – zur „unendlichen Geschichte“ wird.  Außerdem arbeitet auch noch ein enges Zeitlimit gegen den Spielerfolg.

Abgesehen von diesen inhaltlichen Mankos des Spiels, unterliegt das Konzept des Spiels jedoch – and now: Cartography matters! – einem für den damaligen Zeitpunkt genialen Raumkonzept für eine virtuelle Spielewelt. Entwickler Howard Scott Warshaw, der das Spiel – für die pünktliche Vermarktung zur Weihnachtszeit 1982 – im Übrigen in 5 Wochen anstatt der damals üblichen 5 Monate erschaffen sollte, kreierte eine Spielewelt, die auf einem 3D-Würfel basierte.

GameCube

Die Spielewelt endete also nicht mit dem Erreichen des Randes einer unveränderbaren Oberfläche (wie es damals in der Videospielszene üblich war), sondern konnte – je nach Nutzersteuerung – in alle vier Himmelsrichtungen erweitert werden. Die einzelnen Spielfeldkarten (Seiten des Game Cubes) unterschieden sich zudem thematisch (bspw. Landefläche des Raumschiffs, Labor des Wissenschaftlers, großräumige Suchflächen für Telefonteile). Entsprechend interagierten diese thematischen Karten von E.T.s Spielewelt unterschiedlich mit dem Spieler.

GameMap

Wird „E.T. the Extraterrestrial“ einerseits nachgesagt einer der „biggest commercial failures in video gaming history” zu sein, ist das Spiel für die Darstellung und Nutzung von Raum in der Videospielewelt ein wichtiger Meilenstein. Der Legende nach vergrub Atari alle nicht verkauften Exemplare des Spiels in einer Mülldeponie in Alamogordo, New Mexico. Dieser Beitrag gräbt das Spiel gern wieder aus, um in alle Kürze seinen Stellenwert für die interaktive Kartographie in Videospielewelten anzudeuten.

Bei Interesse wird folgender Dokumentarfilm empfohlen: „Atari: Game Over“ (2014)

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