Hy-Brasil – Ein kartographisches „Phantom“

Manchmal sind es einzelne Karten, manchmal aber auch in mehreren Karten eingezeichnete Objekte, die bemerkenswert sind und faszinieren. Dies gilt – aus meiner Sicht – sehr für „Phantom-Inseln“, die in historischen Karten teilweise Jahrhunderte lang verblieben.

Bemerkenswert ist sicherlich eine Phantom-Insel, die sich in diversen und grundlegenden Kartenwerken der Renaissance und Frühen Neuzeit im Westen von Irland befindet. Sei es – um nur vereinzelte prominente Beispiele zu nennen – ein Kartenblatt aus dem bekannten Ortelius-Werk Theatrum Orbis Terrarum, eine Karte des osmanischen Flottenadmirals Piri Reis oder eine Karte von Mercator, diese Insel bildet einen festen Bestandteil der kartographischen Abbilder von Europa (s. Abbildungen). Die Rede ist von der Insel „Hy-Brasil“ (häufig auch nur „Brasil“ genannt).

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38 x 46 ; ¤ 3750 ;

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Bis ins 19. Jahrhundert hinein hielt sich in die Insel ‚wacker‘ auf unterschiedlichsten Kartenwerken – nicht zuletzt weil ein gewisser „Captain John Nisbet“ 1674 behauptete, die Insel bei Seefahrt von Frankreich nach Irland entdeckt zu haben. In der Folge rankten sich diverse Erzählungen um die Insel, bspw. dass sie ein Paradies-ähnlicher Ort sei, an dem keltische Mönche heilende Kräuter anbauen. Zudem sei die Insel – außer an einem Tag alle sieben Jahre – in Nebel gehüllt. Im 19. Jahrhundert erklärten Seefahrer und Ozeanographen Hy-Brasil jedoch als Phantom-Insel, bevor Kartographen sie aus dem Atlantik verbannten.

2 comments

  • Winfried Schrödter

    Liebe Kollegen, offentlich ist Ihre Kartographie verlässlicher als Ihre Rechtschreibung: Im obigen Zusammenhang wird „sie“ klein geschrieben, denn Sie meinen ja nicht mich, oder?

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