Urbane Mobilitätsmuster entdecken

Visualisierungen von Mobilitätsdaten wie Taxifahrten und Ausleihvorgängen in BikeSharing-Systemen sind in den letzten Jahren sehr zahlreich geworden. Eines der schönsten aktuellen Beispiele ist cf. city flows entwickelt von Till Nagel und Christopher Pietsch an der FH Potsdam. Das Visualisierungssystem stellt die Fahrten in BikeSharing-Systemen in New York, Berlin und London eindrucksvoll und auf verschiedenen Detailstufen dar, von Überblicksdarstellungen der ganzen Stadt bis zum detaillierten Vergleich einzelner Stationen:

Besonders spannend sind auch die Einblicke in den Designprozess, die im Methodology-Abschnitt der Projektwebseite gewährt werden. Verschiedenste Ansätze zur Darstellung der Verkehrsflüssen zwischen den Stationen wollten getestet werden. Aufbauend auf ersten einfachen Karten von per Luftlinie verbundenen Stationen können die getroffenen Designentscheidungen nachvollzogen werden:

Das Resultat ist eindrucksvoll. Vor allem die animierten Fahrten vermitteln die Dynamik der urbanen Mobilität und sind extrem gut gelungen:

Ein Schwachpunkt dieser (und vieler ähnlicher Projekte) sind jedoch die zugrunde liegenden Daten. Dies wird auf der Projekt-Webseite auch konkret angesprochen:

Lacking actual GPS tracks, the trip trajectories are rendered as smooth paths of the calculated optimal bike routes

Soll heißen: Die tatsächlich zurückgelegte Strecke zwischen Entleihstation und Rückgabestation ist nicht bekannt. In diesem Fall wurde sie mithilfe des Routingalgorithmus von HERE berechnet. Betrachter der Visualisierungen sehen also nur eine von vielen möglichen Routen. Radfahrer wählen jedoch nicht notwendigerweise die direkteste oder anderweitig von einem Algorithmus bevorzugte Route. Dieser Unsicherheit bei der Routenwahl wird in den Darstellungen kaum Rechnung getragen. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass die Nutzer des Systems tatsächlich und nachweislich auf bestimmten Wegen unterwegs gewesen wären. Es wäre daher bedenklich von diesen Darstellungen auf die Popularität bestimmter Routen (z.B. für die Stadtplanung) schließen zu wollen. Dazu kommt, dass wir nur die erfüllte Nachfrage betrachten können, da nur tatsächlich erfolgte Fahrten aufgezeichnet werden. Nachfragewerte nach Fahrten, die wegen fehlender Fahrräder oder Stationen nicht stattfinden konnten, fehlen daher in diesen Betrachtungen.

Wie so oft gilt also auch hier Vorsicht bei der Interpretation von Statistiken und Visualisierungen. Dann kann man sich auch zurücklehnen und die Animationen genießen.

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