Interaktive Erreichbarkeitskarten

Reisen haben schon immer die menschliche Fantasie beflügelt. Karten für Reisende und von Reisenden vermitteln uns ein Verständnis für Distanzen, aber auch für die Zeit, die notwendig war und ist, um von einem Ort zum anderen zu gelangen.

Erreichbarkeitskarten oder Isochronenkarten sind keine Innovation der letzen Jahre. Dies Art der Darstellung von Regionen, die innerhalb eines gewissen Zeitraums erreicht werden können, ist schon über hundert Jahre Teil der Repertoires von Kartographen. Reisende und solche, die es gerne werden wollten, konnten sich so, anhand sorgfältig aufbereiteter Karten über die zu erwartende Reisezeit informieren.

Isochronenkarte von Francis Galton für die Royal Geographical Society, 1881

Isochronenkarte von Francis Galton für die Royal Geographical Society, 1881

Im Zeitalter der Online-Reiseplaner und Fahrplan-Apps gibt es für Reisende tagesaktuelle und weit detailliertere Informationen. Nichtsdestotrotz erleben Erreichbarkeitskarten spätestens seit Spiekermann (1999) eine Renaissance, vor allem dank moderner Webmapping-Technologien und digital verfügbaren Reisezeitdaten.

Isoscope ist ein Projekt von Studenten der FH Potsdam, das Erreichbarkeiten mit dem Auto und zu Fuß mithilfe von tageszeitabhängigen Isochronen darstellt. Die Erreichbarkeiten werden dabei von der API der Firma HERE abgefragt und in einer interaktiven Leaflet-Karte visualisiert. Per Klick kann zwischen Reisezeiten von 2 und 10 Minuten gewechselt werden. Per Mouseover kann ausgewählt werden, welche der 24 Tageszeit-Isochronen hervorgehoben werden soll. Dieses Feature ermöglicht es die Auswirkung der Tageszeit auf die Erreichbarkeit bequem zu erkunden.

Während Auto- und Fußgängerisochronen schöne zusammenhängende Gebiete bilden, stellen Isochronen im öffentlichen Verkehr eine andere Herausforderung dar. Da öffentliche Verkehrsmittel in der Regel nur an vordefinierten Haltestellen Fahrgäste ein- und aussteigen lassen, entstehen Inseln und Löcher in den Erreichbarkeiten. Mapnificient ist ein Projekt von Stefan Wehrmeyer, das interaktive ÖV-Isochronen bis zu 60 Minuten Reichweite für zahlreiche Städte weltweit bietet. Um jede erreichbare ÖV-Station wird das in der verbleibenden Zeit zu Fuß erreichbare Gebiet hervorgehoben. Die Erreichbarkeit wird dabei mit Kreisen angenähert, was optisch ansprechende, aber natürlich nicht immer korrekte Ergebnisse liefert.

Ebenfalls mit dem öffentlichen Verkehr beschäftigt sich das Projekt Timemaps von Vincent Meertens. Diese Visualisierung treibt Interaktivität und Dynamik einen Schritt weiter und verzerrt den Raum abhängig von der Reisezeit zu verschiedenen Orten in ebendiesem Raum. Durch Klick in die Karte kann das Zentrum der Erreichbarkeitskarte einfach verändert werden. Die Kombination aus Verzerrung und Reduktion (v.a. das Fehlen von Beschriftungen zumindest größerer Städte) ist optisch ansprechend, aber für Nutzer ohne besondere Ortskenntnisse schwierig zu interpretieren.

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