Erfassen und Bereitstellen von Lärmdaten mit der WideNoise App

Serie „Informationstechnologien zum Schaffen geographischer Informationen und das Erzeugen eigener Karten“

Das Erfassen von geographischen Informationen und das Erstellen von Karten waren schon immer stark geprägt von den aktuellen Technologien und unterliegen einem ständigen Wandel. Durch das Internet sind Karten heutzutage allgegenwärtig und Internetnutzer werden befähigt selbst Karten zu erstellen und geographische Daten bereitzustellen. Im Sinne des International Map Year, Karten und Geoinformationen sowie ihre Bedeutung einer breiten Bevölkerung zugänglich zu machen, konzentrieren sich die Beiträge dieser Serie auf aktuelle Entwicklungen im Internet, die es praktisch jedem ermöglichen, Daten bereit zu stellen und Karten zu erzeugen.

Im letzten Beitrag unserer Serie „Informationstechnologien zum Schaffen geographischer Informationen und das Erzeugen eigener Karten“ widmen wir uns der Datenerfassung und Datenbereitstellung. Die App, die wir Ihnen vorstellen heißt „WideNoise“ und ermöglicht die Erfassung von Geräuschen über das eingebaute Mikrophon eines Smartphones (Abb. 1).

Das besondere an der App ist, dass man erhobene Daten bereitstellen kann und diese in einer weltweiten Karte in Echtzeit angezeigt werden. Die Voraussetzung dafür ist, dass man zuvor ein Profil angelegt hat und über eine Internetverbindung verfügt. Es gibt auch eine Reihe anderer Apps zur Geräusch- und Lärmmessung, aber keine andere stellt bereitgestellte Daten in einer Karte dar.

WideNoise App

Abb 1: Screenshots der vier verschiedenen Bildschirme der App: Im ersten Schritt wird eine Messung gestartet, am zweiten Bildschirm wird das Ergebnis gezeigt, über die Schaltfläche „Qualify Noise“ kommt man zum nächsten Bildschirm auf dem man das Geräusch bewerten kann. Die Bewertung erfolgt mit einem intuitiven Schieberegler in den Kategorien Gefühl, Belästigung, Isolation und Natürlichkeit. In einem weiteren Fenster können freie Schlagwörter vergeben werden. (© WideNoise)

Entwickelt wurde die App im Rahmen des EU-geförderten Projektes „Enhance Environmental Awareness through Social Information Technologies (EveryAware, von 2011-2014), das von einem internationalen Konsortium, u.a. der Sapienza Università di Roma, des University College London und der Leibniz Universität, Hannover, ausgeführt wurde. Die Absicht des Projektes war es, theoretische und praktische Methoden aus dem Bereich der Umwelterfassung, der Informatik, der statistischer Physik und den Sozialwissenschaften zur Sammlung und Analyse von Sensormessungen und damit verknüpften subjektiven Eindrücken der Teilnehmer zu verwenden. Ganz im Sinne von „People as Sensors“ wurden daher zwei Apps entwickelt, WideNoise und AirProbe, eine App die mit Hilfe einer zusätzlichen Sensorbox die Messung der Luftqualität ermöglicht.

Das Ziel des Projektes und der App ist die Bewusstseinsförderung durch die Auseinandersetzung mit dem Thema Lärm. Informationsnutzern wird nicht nur Umweltinformation präsentiert, sondern sie werden in deren Erfassung miteinbezogen und dadurch zu Teilnehmern. Die resultierenden Karten sind unter diesem Blickwinkel zu betrachten, denn die dargestellte Lärminformation kann nicht mit offiziellen Lärmkarten verglichen werden. Dargestellt wird der Schalldruckpegel in dB, allerdings basierend auf Messungen von nur fünf Sekunden. Ort und Zeitpunkt der Messungen werden von den Teilnehmern selbst gewählt, dargestellt wird der Mittelungspegel der einzelnen Messwerte. Es ist davon auszugehen, dass Messungen eher während starker Belästigung stattfinden als in ruhigen Situationen. Die Messgenauigkeit ist aufgrund der Kalibrierung des Mikrophons an die menschliche Stimme nicht vergleichbar mit üblichen Messgeräten, außerdem gibt es je nach Smartphonemodell Abweichungen. Leider werden genau diese Aspekte nicht in den Karten (Abb. 2) berücksichtigt und beispielsweise Unsicherheitsinformation dargestellt. Zugegeben, kartographisch ist da noch Spielraum, aber sehen wir es positiv, der Kartographie gehen die Themen nicht aus. Dennoch möchten wir die Bestrebung zur Verknüpfung von physikalischen Messwerten und subjektiven Eindrücken hervorheben und regen an, diese auch in der Darstellung gegenüberzustellen. Denn dann könnten Daten, die durch Crowdsourcing gewonnen werden, amtliche Daten in idealer Weise ergänzen und neue Aspekte beleuchten. (BW)

EveryAware Karte

Abb. 2: Die Karte, die aus den bereitgestellten Daten generiert wird zeigt den durchschnittlichen Schalldruckpegel in dB in Clustern. Die Farbe kennzeichnet die Höhe der Belästigung, die Zahl im Cluster gibt die Zahl der Messungen an. Rechts sind die Schlagworte zu sehen, die den dargestellten Messungen hinzugefügt wurden.

 

Die App wurde mit dem ADI Design Index 2010 und wurde von den New York Times and Read Write Web unter den „Top 10 Internet of Things 2009“ gelistet.

Weitere Informationen

Vorstellung der App im Rahmen des Projektes
Zum Projekt EveryAware
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