Die Hereford mappa mundi

Serie „Karten und Gesellschaft“

Karten haben schon immer die Gesellschaft geprägt und umgekehrt – als Datenspeicher und Hilfsmittel zur Orientierung, aber auch als Mittel des Ausdrucks von Einheit oder Macht. Unsere Beiträge der Serie „Karten und Gesellschaft“, zum Start des International Map Year, skizzieren diese Wechselwirkung zwischen Gesellschaft und Karte. Wir stellen Ihnen drei Weltkarten vor, die das Weltbild der Zeit der Erstellung bzw. der Ersteller kristallisieren, die Sicht der Menschen auf die Welt beeinflussen und die Interaktion der Menschen mit der physischen Umwelt thematisieren.

Mappae mundi sind mittelalterliche Weltkarten, die uns heute wichtige Einblicke in das Weltbild der Ersteller geben. Die größte erhaltene mittelalterliche Weltkarte, die wir hier vorstellen, ist die Hereford mappa mundi aus dem 13. Jahrhundert, die heute in der Kathedrale von Hereford (GB) ausgestellt wird und zum Dokumentenkulturerbe zählt. Beispiel einer deutschen mappa mundi ist die Ebstorfer Weltkarte, die im Benediktinerkloster Ebstorf in der Lüneburger Heide wiederentdeckt wurde, aber 1943 verbrannte.

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Ansicht der gesamten Karte © Hereford Cathedral

Die Hereford-Karte wurde von Richard of Haldingham und Lafford kreisförmig mit Asien oben, Europa links und Afrika rechts – also „geostet“ – auf Kalbspergament gemalt. Diese Anordnung der damals bekannten Kontinente entspricht dem im Mittelalter üblichen, sogenannten T-O-Schema. Die Karte spiegelt vor allem das religiöse, aber auch geographische Weltbild des mittelalterlichen christlichen Europas, sowie auch das Wissen der damaligen Zeit. Dementsprechend befindet sich Jerusalem im Zentrum der Karte, über den Kontinenten befinden sich eine Abbildung Christi und der Garten Eden. Zusätzlich zu den Kontinenten zeigen sich ungefähr 500 detaillierte Zeichnungen und Beschriftungen, 420 Städten, 15 biblischen Ereignissen, 33 Pflanzen, Tiere und Kreaturen, 32 Bilder der Völker der Erde und 8 Zeichnungen der klassischen Mythologie (Hereford Cathedral, Januar 2015). So ist beispielsweise Sizilien mit dem feuerspeienden Ätna dargestellt.

Sizilien mit Ätna

Die Insel Sizilien mit dem feuerspeienden Ätna in einer farbveränderten Version © The Folio Society

Besonders eindrücklich und interaktiv lassen sich diese Details auf der Webseite der Karte erkunden. Hier werden sie in Großaufnahme gezeigt und erklärt, sowie eine kontrastverstärkte Variante und ein 3D Scan zusätzlich zum vergilbten Original angeboten. Die Erstellung dieses Scans wurde in einer kurzen Dokumentation aufbereitet.

Abb. 3: Detilausschnitt: Jerusalem, im Bild als kreisförmiges Symbol links oben, befindet sich im Zentrum der Karte, darunter ist das Mittelmeer zu sehen und rechts außen der Nil. © Herford Cathedral

Detailausschnitt: Jerusalem, im Bild als kreisförmiges Symbol links oben, befindet sich im Zentrum der Karte, darunter ist das Mittelmeer zu sehen und rechts außen der Nil. © Hereford Cathedral

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Die Anordnung der Kontinente folgt einem modifiziertem T-O-Schema mit Asien oben, Europa links und Afrika rechts, die Abbildung rechts verdeutlicht die Struktur. Links ist eine kontrastverstärkte Reproduktion zu sehen. © atlantismaps.com

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Die Reproduktion eines Kartenausschnitts der britischen Inseln. Deutlich werden der hohe Detailgrad der Zeichnungen und die wechselnde Orientierung, sodass Häuser aus verschiedenen Perspektiven im Aufriss dargestellt werden. © lizenziert unter Public Domain über Wikimedia Commons

Weitere Information

Mappa Mundi Hereford Cathedral: offizielle interaktive Seite zur Exploration der Karte
Link zur Hereford Cathedral
Video Podcast über die Hereford mappa mundi (EN, 4:29 Min.)
Video der Erstellung eines 3D Laserscans der Karte (EN, 11:52 Min.)
Brotton, Jerry (2012). A History of the World in Twelve Maps, Kapitel 3, Faith: Hereford Mappamundi, ca. 1300, Penguin Books: London.

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