Der Building Inspector der New York Public Library

Mit dem Slogan „Kill time. Make History.“ (Vertreibe dir die Zeit, schreibe Geschichte.) wirbt die New York Public Library (NYPL) für ihren Building Inspector. Nun, was ist der Buidling Inspector – eine Karte, ein Spiel oder eine Anwendung zur Öffentlichkeitsbeteiligung bzw. Crowdsourcing? Gehen wir der Sache auf den Grund!

In erster Linie werden uns die Sanborn Maps für Teile New Yorks gezeigt, die im Dienst von Versicherungsgesellschaften, zum Festlegen des Grundstückswertes oder Feuerrisikos verwendet wurden. Sie sind für rund 12 000 US Städte von 1867 bis 2007 vorhanden. Die Karten sind großmaßstäbige Lithographien, die zumeist vier bis sechs Häuserblöcke zeigen (Abb. 1). Enthalten sind, neben Angaben zur Bevölkerung, der vorherrschenden Windrichtung und klassischen Kartenelementen, die Gebäudegrundrisse, die Lage von Fenstern und Türen, Feuerschutzmauern, Gebäudenutzung, die Lage von Hydranten, Feuerwehrstandorte und Information zum Baumaterial der Gebäude, bestehend aus Bodenbelag, Material des Rohbaus und Dachs.

Die jeweiligen Ausgaben der Karten werden gebunden, wie diese Abbildung zeigt. Zu sehen ist die Bernheim Distilling Co., eine Whisky Destillerie in Louisville, Kentucky. Tatsächlich wird auch angegeben, dass eine alte Destillerie bereits durch ein Feuer zerstört wurde. © Sanborn

Abb. 1: Die jeweiligen Ausgaben der Karten wurden gebunden, wie diese Abbildung zeigt. Zu sehen ist die Bernheim Distilling Co., eine Whisky Destillerie in Louisville, Kentucky. Tatsächlich wird auch angegeben, dass eine alte Destillerie bereits durch ein Feuer zerstört wurde. © Sanborn

Heute geben die Karten wichtige Hinweise über die Geschichte der Stadt: „[…] the Sanborn maps survive as a guide to American urbanization that is unrivaled by other cartography and, for that matter, by few documentary resources of any kind“ (Keister, 1993). Um die, zum Teil von den heutigen Karten verschwundenen, Orte wieder ans Tageslicht zu fördern, startete die NYPL ein großes Projekt: Die historischen Karten wurden eingescannt, referenziert und entzerrt – auch dafür wurde die Öffentlichkeit mit dem Map Warper beteiligt. Schließlich wurden die Karten vektorisiert. Da das aber nicht vollständig und fehlerfrei erfolgen kann, v.a. bei historischen Karten, ist die Hilfe von „Inspektoren“ gefragt, die die Arbeit der Computer kontrollieren und nachbessern.

In diesem Sinne ist der Building Inspector auch eine Anwendung zur Öffentlichkeitsbeteiligung. Einerseits informiert er über die Geschichte diverser Gebäude und Grundstücke, andererseits werden wichtige Editierarbeiten ausgelagert und so eine Beteiligung initiiert. Nutzer können seit vorigem Herbst Gebäudeumrisse korrigieren, seit April auch Straßennummern hinzufügen und Gebäude mit Hilfe von Farben klassifizieren. Am Ende haben alle etwas davon: die New York Public Library und interessierte Nutzer, die mehr über die Geschichte ihrer Stadt erfahren, insbesondere sobald mehr Daten vorliegen, die wiederum mit weiteren Daten verknüpft werden können.

Abb. 2: In einem EInführunsgvideo wird die Aufgabe erklärt.

Abb. 2: In einem Einführunsgvideo wird die Aufgabe erklärt. © http://buildinginspector.nypl.org/

Aber wie gestaltet man eine Anwendung dieser Art einfach und motiviert Besucher zum Mitmachen? In diesem Beispiel einerseits durch ein ansprechendes Webdesign und sehr klare Navigation, sowie über ein kurzes, aber keinesfalls langweiliges, Video (Abb. 2) als Anleitung für jede Aufgabe (Erklärung weiter unten), das man aufgrund der netten Hintergrundmusik sogar gerne ansieht. Und zu guter Letzt ist der Building Inspector tatsächlich auch eine Art Spiel. Zur Ermunterung der Teilnehmer werden Elemente der Gamification eingesetzt, zum Beispiel vier verschiedene Aufgaben, die zu erfüllen sind:

  • Das Überprüfen der Gebäudegrundflächen: Entspricht der automatisch erkannte Grundriss dem tatsächlichen Grundriss auf der Karte? (Abb. 3)
Abb. 3: Entspricht der automatisch erkannte Grundriss dem tatsächlichen Grundriss auf der Karte?

Abb. 3: Mit Hilfe der Buttons bestimmen die Teilnehmer, ob der automatisch erkannte Grundriss dem tatsächlichen entspricht und können ihn ggf. richtigstellen. © http://buildinginspector.nypl.org/

  • Das Richtigstellen der Gebäudegrundflächen: Wenn der automatisch erkannte Grundriss nicht mit dem tatsächlichen übereinstimmt, kann dieser angepasst werden.
  • Die Angabe von Hausnummern: Diese wurden nicht automatisch erkannt und müssen manuell eingegeben werden. (Abb. 4)
Abb. 4: Welche Hausnummer hat das Gebäude?

Abb. 4: Welche Hausnummer hat das Gebäude? © http://buildinginspector.nypl.org/

  • Und meine Lieblingsaufgabe, die Klassifikation des Gebäudetyps mit Hilfe von Farben (Abb. 5). Interessanterweise wurden damals Gebäude aus „hazardous materials“ (risikoreiche Materialen) – nicht vergessen, die Karten waren für die Feuerversicherung gedacht – in Grün dargestellt, Backstein in Rot und Gebäude aus Holz in Gelb.
Abb. 5: Welche Farbe hat das Gebäude?

Abb. 5: Welche Farbe hat das Gebäude? © http://buildinginspector.nypl.org/

Belohnt wird man für die Teilnahme, indem es rechts oben einen Score gibt, der mitzählt, wie viele „Inspections“ man gemacht hat. Ebenso kann man sich eine Karte anzeigen lassen, die einen Überblick über erledigten Inspektionen gibt (Abb. 6).

Abb. 6: Bereits vom Teilnemer inspizierte Gebäude © http://buildinginspector.nypl.org/

Abb. 6: Bereits vom Teilnehmer inspizierte Gebäude werden hervorgehoben. © http://buildinginspector.nypl.org/

Um die Qualität zu wahren, wird jede Aufgabe drei weiteren Teilnehmern gezeigt und eine Änderung erst gemacht, wenn 75% der Inspektoren einer Meinung sind. (BW)

Alle entstehenden Daten stehen entsprechend der Creative Commons-0 Designation frei zur Verfügung: http://buildinginspector.nypl.org/general/data

Weiterführende Informationen

Sandborn Maps:

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