Kartenanamorphote, Cartograms und Gridded Cartograms

Ich erinnere mich lebhaft an eine Diskussion auf dem Deutschen Kartographentag im Oktober 2012 in Hannover: In einer Präsentation wurden Argumente dafür ausgesprochen, Kartenanamorphote auf Deutsch „Kartogramme“ zu nennen. Dieser Begriff ist von der englischen Bezeichnung für die Gattung, nämlich cartograms, abgeleitet. Teile des Publikums lehnten den Vorschlag vehement ab und entgegneten zu Recht, dass die Bezeichnung Kartogramme im Deutschen schon für eine andere Kartenart verwendet wird…

Abb. 1: Worldmapper population cartogram 2011 © <a href="http://www.viewsoftheworld.net" target="_blank">www.viewsoftheworld.net</a>

Abb. 1: Worldmapper population cartogram 2011 © www.viewsoftheworld.net

Diese Diskussion soll an dieser Stelle nicht weitergeführt werden, vielmehr möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass die Körber-Stiftung den Deutschen Studienpreises 2012 für eine Arbeit über Kartenanamorphote vergab. Der Geograph Benjamin Hennig erhielt für seinen Beitrag „Planet der Menschen: Neue Kartenwelten im Anthropozän“, der auf seiner Dissertation an der Universität Sheffield „Rediscovering the World: Gridded Cartograms of Human and Physical Space“ beruht, den ersten Platz.

Benjamin Hennig erstellte seine Doktorarbeit im Rahmen des Worldmapper-Projektes. In den Worldmapper-Karten wird die Größe jedes Landes entsprechend eines Indikators, wie z.B. der Bevölkerung, verändert (Abb. 1). Jede Karte zeigt somit genau ein Thema. Diese Einschränkung wollte Hennig mit dem von ihm entwickelten Gridded Cartogram, auf Deutsch „rasterbasierte Kartentransformation“, überwinden. Er teilt daher die Landoberfläche durch ein Gitternetz in gleich große Rasterzellen, überwindet damit die willkürliche Abgrenzung durch Landesgrenzen und schafft eine „Rastertransformationskarte […], in der jede Rasterzelle nach ihrem individuellen Datenwert vergrößert oder verkleinert wird“ (Körber-Stiftung) (Abb. 2). Die so entstehenden Karten können als eine Art Basiskarte verwendet werden und die dargestellten sozial- oder naturwissenschaftlichen Daten direkt auf die Bevölkerung, die anhand des transformierten Rasters dargestellt wird, bezogen werden (Abb. 3).

Abb. 2: Grid-based population cartogram 2000 ©<a href="http://www.viewsoftheworld.net" target="_blank"> www.viewsoftheworld.net</a>

Abb. 2: Grid-based population cartogram 2000 © www.viewsoftheworld.net

Abb. 3: Jährlicher Niederschlag 1950-2000, abgebildet auf einem gridded equal-population cartogram © <a href="http://www.viewsoftheworld.net" target="_blank">www.viewsoftheworld.net</a>

Abb. 3: Jährlicher Niederschlag 1950-2000, abgebildet auf einem gridded equal-population cartogram © www.viewsoftheworld.net

Der Studienpreis-Juror Stephan Detjen begründet die Vergabe des Preises mit folgenden Worten:

„Der Geograf Benjamin Hennig hat eine kartografische Methode entwickelt, die das Zeug dazu hat, unsere Sicht auf die Welt zu verändern. Denn die sogenannte gitternetzbasierte Kartentransformation erlaubt es, Karten zu erstellen, in denen der physische Raum mit komplexen sozial- oder auch naturwissenschaftlichen Daten verknüpft ist. Durch diese analytische Visualisierung werden Muster, werden Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt sichtbar, die uns helfen können, die Folgen menschlichen Tuns für unseren Planeten besser einzuschätzen.“ (Körber-Stiftung) (BW)

 

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