OpenStreetMap

Steve Coast hatte 2004 das ehrgeizige Ziel, eine freie Weltkarte zu erschaffen. Dass ihm das tatsächlich gelungen ist, macht sein Projekt OpenStreetMap (OSM) zur bemerkenswerten Karte im Mai.
Über 600.000 registrierte Nutzer (Stand Mai 2012) haben sich bisher bei der Entwicklung der Software, GPS Tracking, Digitalisierung von Luftbildern, Überprüfung und Verwaltung der Daten sowie anderen ehrenamtlichen Tätigkeiten beteiligt. Das Ergebnis ist eine Geodatenbank, ähnlich einem Wiki, mit der Besonderheit, dass die OpenStreetMap-Daten unter der „Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0“-Lizenz stehen. Somit dürfen sie von jedem lizenzkostenfrei eingesetzt und beliebig weiterverarbeitet werden.

Abb. 1: Ausschnitt im OSM Stil © OpenStreetMap und Mitwirkende, CC BY-SA

Abb. 1: Ausschnitt im OSM Stil © OpenStreetMap und Mitwirkende, CC BY-SA

Manche Kartographen sind mit der detailreichen und farbintensiven Kartendarstellung nicht einverstanden. Jedoch geht es bei OSM vor allem um das Bereitstellen von freien Geodaten. Auf die optische Anpassung hat sich hingegen CloudMade spezialisiert: Im Map Style Editor kann entweder ein eigener Stil entwickelt oder ein vorhandener Stil gewählt werden. Anhand von MapBox können auf der Basis von OSM-Daten eigene Karten gestaltet und publiziert werden. Kreative Alternativen hat das Design- und Technologiestudio Stamen geschaffen.

Abb. 2: Kartenstile im CloudMade Map Style Editor, CC BY-SA

Abb. 2: Kartenstile im CloudMade Map Style Editor, CC BY-SA

Der Detaillierungsgrad der OSM-Daten ist zwar regional sehr unterschiedlich, dennoch stellt OSM vor allem in europäischen Städten eine Alternative zu kommerziellen Anbietern dar. Diese Entwicklung verstärkt sich seitdem die kostenfreie Nutzung der Google Maps API Anfang des Jahres durch Zugriffslimits eingeschränkt wurde. Das ortsbezogene soziale Netzwerk Foursquare hat daher bereits im Februar die Umstellung auf OSM bekannt gegeben.
Auch viele andere Anwendungen verwenden OSM-Daten, wie zum Beispiel die Navigationssoftware Skobbler, die Fahrradkarte OpenCycleMap oder Wheelmap, eine Karte, die rollstuhlgerechte Orte aufzeigt.

Die Dynamik und Flexibilität des Projektes ist verblüffend, so wurden etwa nach dem Erdbeben in Haiti 2010 innerhalb von wenigen Tagen aktuelle Karten des Katastrophengebiets erstellt. Für Nutzer wird OSM auch in Zukunft eine interessante Möglichkeit bieten, Geodaten für eine personalisierte und differenzierte Kartendarstellung zu verwenden. Unterstützt wird dies durch die wachsende Anzahl an Unternehmen, die die Verwendung von OSM-Daten unterstützen. Für uns Kartographen bleibt OSM ein Projekt, das nicht unterschätzt werden sollte. Die Frage ist, wie wir unsere Expertise stärker einbringen können.
(BW)

 

Literaturverweis:
Stengel, Sabine; Pomplun, Sascha: Die freie Weltkarte OpenStreetMap – Potentiale und Risiken. In: KN Kartographische Nachrichten, 3/2011, S. 115-120.

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